Die Entnationalisierung des Geldes
Ein Ökonom erhält 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. 1976 schreibt er ein Buch mit dem Titel Entnationalisierung des Geldes. Er verlangt in diesem Buch die Privatisierung der Nationalbanken (Notenbanken).
Er legt damit die Basis für das, was wir heute Globalisierung, Privatisierung und Deregulierung nennen. Wer das Buch heute liest, kann unschwer erkennen, dass wir die Forderungen aus diesem Buch in Windeseile in die Praxis umsetzen.
Entnationalisierung des Geldes bedeutet faktisch die Auflösung der nationalstaatlichen Volkswirtschaften und damit das Auflösen der Nationalstaaten. Denn was ist ein Volk oder eine Nation ohne eigene Währung und ohne eigene territoriale Volkswirtschaft? Wie will die Regierung eines Landes soziale Gerechtigkeit schaffen, wenn ihr die Geldhoheit entzogen wird? Private steuern heute die Wirtschaft und damit das Armutsgefälle. Politische Verantwortungsträger sind nur noch die Marionetten der privaten Herrscher über das Geldsystem.
Was der Nobelpreisträger forderte, war also die Entschweizerung des Schweizer Frankens, die Entdeutschung der Deutschen Mark und die Entfranzosung des Französischen Franc. Von Hayek war der Ansicht, dass private Bankmanager, Konzernchefs, Aktionäre und Verwaltungsräte eine gerechtere und friedlichere Welt schaffen würden, als es demokratisch gewählte Politiker tun würden.
Friedrich A. von Hayek — Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften (Nationalökonomie) - verfasste 1976 das Buch Entnationalisierung des Geldes, ISBN-Nr. 3-16-340727-0.
Friedrich A. von Hayek erhielt 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Dieser Preis wurde nicht von Alfred Nobel begründet. Der Preis wird seit 1968 von der privaten schwedischen Reichsbank verliehen, Damals herrschte eine Weltwährungskrise, welche 1971 zur Abschaffung des Goldstandards und zur Abwertung des Dollars geführt hat. Präsident Nixon löste 1971 die Eichung des Geldes durch Golddeckung auf. Danach führte man so genannte „flexible Wechselkurse" ein. Um den Dollar zu stützen, begannen die USA mit Hedge-Fonds Devisen zu handeln und verursachten dadurch die Verschuldung der Drittweltländer. Ausserdem trieben sie den Ölpreis nach oben und etablierten den Petrodollar (also Eichung des Dollarwertes über den Ölpreis) als neues Eichmass des Weltwährungssystems. Die bereits damals privaten Herrscher über das Weltwährungssystem waren sich bewusst, dass der Petrodollar bald einmal mangels ÖI abgelöst werden muss. Sie suchten deshalb schon früh nach einer neuen Möglichkeit, um ihre Macht über das weltweit privatisierte Geldwesen zu behalten.
Seit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hat die US-Notenbank (diese heisst heute FED oder Federal Reserve Bank) acht Mal zwischen Privatbesitz und Staatsbesitz gewechselt. Immer wieder haben demokratische US- Präsidenten im Machtkampf gegen die privaten Gelddrucker verloren.
Das Problem, welches man mit der Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften lösen wollte, war also das eines gerechten und den Menschen dienenden Weltwährungssystems. Der Goldstandard schien nicht das Ideale Hilfsmittel zur Eichung einer Währung zu sein.
Und natürlich wollten die privaten Gelddrucker den ewigen Forderungen nach einer Verstaatlichung der Geldhoheit endgültig begegnen. Die Schwedische Reichsbank wirkte deshalb darauf hin, dass Nobelpreisträger erwählt wurden, welche eine Privatisierung der Geldmacht befürworten. Auch wenn - wie Sie nachstehend selbst nachlesen können — die Argumente für jeden kaufmännischen Lehrling einsichtig falsch und an den Haaren herbeigezogen sind. Genau diese Forderungen Hayeks nach einer Privatisierung der Geldhoheit wurden inzwischen umgesetzt.
Volkswirtschaftsprofessoren an Schweizer Universitäten (aber auch solche im Ausland), welche versuchten gegen Hayek's Ansichten anzukämfen, wurden auf das wissenschaftliche Abstellgeleise gestellt oder ihnen wurde die Lehrbefugnis entzogen.
Hier ein paar Aussagen aus Von Hayek's Buch Entnationalisierung des Geldes:
Je vollständiger die [private] Finanzwirtschaft von der [staatlichen] Regulierung des
Geldumlaufs getrennt werden kann, desto besser wird dies sein. Die (demokratische) Macht über den Geldumlauf war immer schädlich. Ihr Gebrauch zu finanzpolitischen Zwecken (Armutsbekämpfung in Demokratien) war immer schädlich. Es ist viel besser, wenn die Finanzmacht für die privaten Interessen privater Banken organisiert wird.
Nichts kann also erwünschter sein, als der Regierung die Macht über das Geld zu nehmen und so dem anscheinend unwiderstehlichen Trend zu einem beschleunigten Anwachsen des vom Staat beanspruchten Anteils am Volkseinkommen Einhalt zu gebieten.
Es gibt keinen Grund zu bezweifeln, dass private Unternehmungen - wäre es ihnen gestattet worden - fähig gewesen wären, ebenso gute und zumindest genauso vertrauenswürdige Münzen bereitzustellen. In der Tat haben sie es bereits gelegentlich getan oder waren von Regierungen dazu beauftragt worden.
Es ist unabdingbar, dass alles sehr schnell gehen muss, wenn man einen solchen Wechsel zu privaten Notenbanken vollzieht. Alle erforderlichen Freiheiten (freier Kapitalverkehr, freier Warenverkehr und freier Personenverkehr) müssen gleichzeitig und ohne jede Verzögerung eingeführt werden.
Die Möglichkeit zu freiem Wettbewerb von sich gegenseitig konkurrierenden privaten Notenbanken ist eine essentielle Voraussetzung für das Gelingen des Planes.
Die Menschen würden nur dann beginnen, dem Geld zu vertrauen, wenn sie sicher wären, dass es vollständig von jeder nationalen (demokratischen) Kontrolle befreit ist
Das gegenwärtig instabile staatliche Geldsystem zu beseitigen [und durch ein privates Geldsystem zu ersetzen] ist eine wichtigere Aufgabe, als dass sie den Interessen einiger spezieller Gruppen geopfert werden sollte [auf Nationalisten, Demokraten, KMU Lohnempfänger, Rentner, Landwirte, Familien usw. kann man also keine Rücksicht nehmen - die Globalisierung ist viel zu wichtig - sie muss schnell kommen].
Der hier vorgeschlagene Weg - die Geldmacht der (demokratisch gewählten) Regierungen zu brechen - ist gleichsam die einzige Möglichkeit - die anhaltende Entwicklung der Regierungen zum Totalitarismus zu begegnen und das freie Unternehmertum zu erhalten.
Es gibt in der Tat kaum einen Grund dafür, warum Territorien, die zufällig der gleichen Regierung unterstehen, einen gesonderten nationalen Wirtschaftsraum bilden sollten. Durch nationale Protektion haben Nationalstaaten staatliche Monopole gebildet, welche dem freien Wettbewerb schaden. In einer grössten Teils auf internationalen Austausch angewiesenen Weltordnung ist es widersinnig, die oft zufällige Zusammenfügung verschiedener Regionen unter einer Regierung als einen abgegrenzten Wirtschaftsraum zu behandeln (von Hayek findet es also unnötig, die zufällig von irgend einer Regierung verwalteten demokratischen Staatsgebiete weiterhin abzugrenzen. Jeder soll liberal regieren dürfen und vor allem: Privatkonzerne, ihre Aktionäre, Verwaltungsräte und Manager regieren gemäss Friedrich A. von Hayek die Welt besser und gerechter als demokratisch gewählte Politiker].
Dieser Gedanke [die Privatisierung der Notenbanken] wird gewiss einer breiten Öffentlichkeit zu seltsam und fremd vorkommen, als dass er in naher Zukunft realisiert werden könnte... gleichwohl ist es sicherlich möglich, dass das jetzt noch unbestrittene Vorrecht der demokratisch gewählten Regierung auf die Geld-Produktion weder notwendig ist, noch überhaupt Vorteile bietet. Die Diskussion kann deshalb nicht früh genug beginnen, wenn man das Vorhaben umsetzen will.
Zwar mag die Verwirklichung ganz und gar undurchführbar sein, so lange die Öffentlichkeit darauf geistig nicht vorbereitet ist und unkritisch das Dogma [den Glaubenssatz] eines notwendigen Vorrechtes der Regierung über die Geldhoheit hinnimmt.
Doch sollte dies uns nicht hindern, bereits heute an die intellektuelle Erforschung dieses faszinierenden Planes heranzugehen [die Nationalbanken zu privatisieren — Entstaatlichen — Entnationalisieren — Entdemokratisieren — Privatisieren - Feudalisieren].
In Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse (das Geldsystem ist weltweit seit Jahrhunderten privatisiert), behauptete nun Friedrich A. Hayek in seinem Buch Entnationalisierung des Geldes, dass sämtliche Wirtschaftskrisen darauf zurückzuführen seien, dass staatliche (demokratische) Notenbanken Geld drucken. Er behauptete, dass eine richtige Weltwährung nur realisiert werden könne, wenn man das Recht zur Herausgabe von Geld (Geld drucken und Kredite schöpfen) privaten Banken überlassen wurde. Private Banken würden dann aus Eigennutz dafür sorgen, dass das Geld gerecht unter der Bevölkerung verteilt werde und der Geldwert stabil bleibe.
Im Jahre 1944 wurde in Bretton Woods (USA) der Goldstandard geschaffen. Wer also im Besitz von Gold war, erhielt das Recht Geld zu drucken.
Im Besitz von Gold war damals vor allem die Waffenindustrie. Alle Kriegsparteien erhielten am Ende des zweiten Weltkrieges nur noch Waffen gegen Gold. Neben den USA waren Japan und die UdSSR im Besitz des meisten Goldes. Dadurch konnten sie ihre Vormachtstellung in der Weltwirtschaft in den 50er Jahren ausbauen. Japan verlor den gesamten Goldbesitz an die USA, welche im Wettstreit um das japanische Gold 1945 durch die beiden Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki Japan zur Kapitulation gezwungen hatte.
In den USA war der private Besitz von Gold eigentlich seit 1933 verboten. John F. Kennedy stellte jedoch fest, dass Amerikaner im Ausland Gold besassen und erliess deshalb am 20. Juli 1962 ein Gesetz. Die Vollzugsbestimmung Nr. 11037 verordnete, dass es Privaten per sofort verboten sei, Gold in die USA zu importieren oder Gold im Ausland zu besitzen.
Er wollte dadurch verhindern, dass das Recht zum Drucken von Geld weiter Privaten überlassen wurde. Das damals schon private Federal Reserve (die seit 1913 private US-Notenbank) hielt sich jedoch nicht an den Goldstandard und finanzierte den Vietnamkrieg, indem es den Goldstandard verliess. Von der Aufrüstung profitierte schliesslich die Waffenindustrie, welche wie gesagt Besitzerin des Goldes war und damit auch Einfluss auf das FED hatte.
Die Waffenproduzenten und die private Geldmacht gehören seit Jahrhunderten zusammen. Die Gelddrucker verdienten an allen Kriegen mit, indem sie an alle Kriegsparteien Kredite vergaben. Dies ist in Geschichtsbüchern aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilweise noch überliefert und findet sich auch in Büchern über die Geschichte des Dollars wieder.
Besonders eindrücklich und präzis schildert Anton Zischka die Finanzierung des Unabhängigkeitskrieges und des Sezessionskrieges in seinem Buch.
Der Dollar— Glanz und Elend der Weltwährung, ISBN-Nr. 3-7844-7345-8.
Die Art, wie Kriege finanziert werden, gilt bis in die heutige Zeit, also auch für den Jugoslawien-Krieg und den Irak-Krieg.
Am 4. Juni 1963 war es John F. Kennedy schliesslich verleidet, mit den Privatbanken um eine sinnvolle Wirtschafts- und Rüstungspolitik zu ringen. Wie sollte er eine geschickte Politik betreiben, wenn er das Recht über das wichtigste Machtmittel — das Geld — nicht selbst direkt ausüben konnte? Er unterzeichnete die Ausführungsbestimmung Executive Order Nr. 11110, welche der US-Regierung wieder das Recht zurückgab, Geld selbst auszugeben.
John F. Kennedy war der Ansicht, dass in einem demokratischen Rechtsstaat nur der Staat Geld drucken dürfe. Erst Recht, wenn dieses Geld für Rüstungszwecke ausgegeben werden sollte. Innert Kürze brachte John F. Kennedy ab Juni 1963 eigenes (staatliches Geld) in Umlauf.
Dies gefiel natürlich dem privaten Federal Reserve überhaupt nicht. Sie sahen sich dadurch entmachtet. Mit einem Federstrich war Kennedy dabei, der privaten US-Nationalbank die Geschäftsgrundlage zu entziehen. Die USA hätten sich durch die Ausgabe eigenen Geldes nicht mehr beim privaten Gelddrucker Federal Reserve verschulden müssen.
Nach der Ermordung Kennedy's im November 1963 wurden keine staatlichen Geldscheine mehr ausgegeben, obwohl die Exekutive Order Nr. 11110 bis heute in Kraft ist.
Lyndon B. Johnson hat sofort nach dem Tod Kennedy's, das in Umlauf befindliche; staatliche Geld aus dem Verkehr gezogen.
Wer aber ist das FED, die US-Notenbank und wem gehört sie?
Das FED gehört einem Konsortium von privaten Banken:
Rothschild Bank of London
Rothschild Bank of Berlin
Rothschild Bank of Paris
Israel Moses Seif Banks of Italy
Warburg Bank of Hamburg
Warburg Bank of Amsterdam
Lehman Brothers New York
Chase Manhattan Bank von New York
Kuhn-Loeb Bank of New York
Goldman Sachs Bank of New York
Private Banken waren bereits beim amerikanischen Unabhängigkeitskrieg involviert und auch später beim Sezessionskrieg und schliesslich wieder bei Rüstungsgeschäften im ersten und zweiten Weltkrieg.
Robert F. Kennedy Junior war im Herbst 2004 zu Besuch in der Schweiz. In einem Interview mit dem Sonntagsblick hat er am 7. November 2004 folgendes Zitat von Abraham Lincoln erwähnt. Lincoln soli während des Sezessionskrieges gesagt haben: Die Banker hinter mir [die meinen Krieg finanzieren] fürchte ich mehr, als die Armee der Südstaaten vor mir."
Lincoln war sich bewusst, dass er sich und sein demokratisches Land in eine unglaubliche Abhängigkeit bringt, wenn er seinen Krieg durch Privatbanken finanzieren lassen muss.
Lincoln wollte wie die beiden Kennedy's die private Geldmacht der Banken brechen. Er wurde kurz nach Ende des Bürgerkrieges ermordet.
Wir stehen heute mitten in einem globalen Wirtschaftskrieg. Wir haben keine Zeit und kein Geld mehr für die Jungen, für die Rentner, für die Kranken, für die Arbeitslosen, für die Bildung, für den Staat, für die Versicherungen usw.
Man hat uns gesagt, es werde alles billiger, wenn wir alles privatisieren und alles deregulieren. Wo ist denn alles dieses Geld geblieben, das wir bis heute gespart haben? Wir stehen doch vor der absurden Situation, dass man in Zürich 1000-Franken-Jobs schaffen muss und mit diesen sollen unsere Kinder dereinst die Milliardenschulden von Bund, Kantonen und Gemeinden und aus den Sozialversicherungen abarbeiten.
Diese Deregulierungen und Privatisierungen und insbesondere die Privatisierung der Nationalbanken propagierte Friedrich A. von Hayek. Jeder KV-Lehrling kann erkennen, wie falsch die Thesen von Hayeks sind. Er betrachtet das Geld als etwas, das man losgelöst von Boden und Mensch betrachten kann, als müssten nicht Menschen den Geldwert schaffen. Wie kommt es dazu, dass Friedrich von Hayek nun privates Geld propagiert?
Hatte er vergessen, was Gottfried Keller in Zürich um 1850 sagte, als er die Gründung der Zürcher Kantonalbank als Staatsbank angeregt hatte?
„Wir brauchen diese Staatsbank, um den Wucher (Zins] zu bekämpfen, den Privatbanken heilsame Konkurrenz entgegenzustellen und den mittleren und kleineren Gewerbestand vor der Ausbeutung durch die in erster Linie auf eigenen Nutzen [Gewinne und Managerlöhne maximieren] bedachten Privatbanken zu schützen."
Gottfried Keller um 1850 zur Gründung der Zürcher Kantonalbank
Wusste Friedrich von Hayek nicht, dass John F. Kennedy vor seinem Tod einen heftigen Streit mit dem privaten Federal Reserve-System ausfocht?
Wie konnte er annehmen, dass das Geldsystem damals staatlich war?
Kannte er die Gesetze nicht, die Kennedy verabschiedet hatte? Wusste er nicht, dass bereits die Präsidenten Jefferson und Lincoln mit den privaten Bankiers in Konflikt waren? Lincoln wurde wie John F. Kennedy ermordet, als er versuchte, an der Macht der Privatbankiers zu rütteln.
Hatte er nicht gehört, dass der französische Staatspräsident de Gaulle in den Sechzigerjahren genau das Gegenteil machen wollte, nämlich mittels staatlichen Departementbanken (Kantonalbanken) das Geld besser (demokratisch) zu organisieren? Hatte er nicht mitgekriegt, dass wir in der Schweiz durch Kantonalbanken und die Deutschen durch ihre Landesbanken eine hervorragende Geldorganisation ohne Armut und mit wenig Arbeitslosigkeit geschaffen hatten?
Ich weiss es nicht. Und Friedrich A. von Hayek befragen können wir nicht mehr. Er ist bereits verstorben. Was wir jedoch wissen und erahnen können, ist die Krisensituation, in welcher sich die damalige Welt Anfang der 70er Jahre befand. Man musste ein neues Weltwährungssystem finden.
Sicher ist anzunehmen, dass viele private Mitwisser keine andere Lösung sahen. Auch der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Dr. Fritz Leutwyler, gehörte damals zu den Menschen, welche gemeinsam mit von Hayek die Entnationalisierung des Geldes planten. Es waren nicht etwa Schlechtmenschen. Was ihnen jedoch sicher zum Vorwurf gemacht werden darf, ist die Tatsache, dass sie die Öffentlichkeit nicht richtig befragt und informiert hatten. Und noch wichtiger: Sie haben sich bis heute nicht die Mühe genommen, anderen Lösungsansätzen genügend Gehör zu geben. Viele Menschen mit guten Ideen wurden als Besserwisser beschimpft. Oder als „Verschwörungstheoretiker" mundtot gemacht. In Nationalbankkreisen herrscht offensichtlich die Meinung vor, man dürfe den Menschen nicht sagen, wie das mit dem Geld genau funktioniere. Sonst würden die Menschen nicht mehr arbeiten wollen. Diesen Grundlagenirrtum haben Wissenschafter jedoch schon vor 150 Jahren glaubwürdig widerlegt.
Nach der Ermordung von Robert F. Kennedy wurde der französische Staatspräsident informiert, dass die USA für die Finanzierung des Vietnamkrieges den Goldstandard verlassen hatten. In der Tagesschau des Schweizer Fernsehens sah man damals 1968 einen aufgebrachten Präsidenten De Gaulle, welcher von den USA Gold gegen Dollar forderte. Die Amerikaner mussten die Tresore von Fort Knox öffnen und ihr Gold herausgeben. Hätten auch andere Länder ihre Dollarnoten gegen Gold eintauschen wollen, wäre das private FED (die private US-Notenbank) Konkurs gegangen. Die Notenbankchefs aller Welt hetzten von einer Krisensitzung zur nächsten und überlegten seit 1968, wie man das Weltwahrungssystem neu eichen könnte. Jedem war klar, dass es mit dem Goldstandard nicht weitergehen konnte. Und jeder wusste, dass es im Gütertausch mit dem Geld ist wie mit dem Meter, dem Liter und dem Kilogramm: Geld muss geeicht sein, damit ein gerechter Gütertausch möglich ist. Die weltweit gut vernetzten privaten Grosskapitalbesitzer gingen davon aus, dass sie — als gegenseitige persönliche Freunde — sicher das Geld gerechter unter der Bevölkerung verteilen als dies staatliche Institutionen tun würden.
Man dachte wohl, man könne die einzelnen Wahrungen — je nach der in einer nationalen Volkswirtschaft erzielten Wertschöpfung — flexibel eichen, so als wurde man Meter, Kilogramm oder Liter flexibel machen. Diese flexible Eichung ermöglichte schliesslich den Hedge-Fonds mit Fremdwahrungen (Devisen) Handel zu betreiben, wie mit jedem anderen Handelsgut — zum Nachteil der einzelnen Nationen.
Drittweltländer mussten sich immer wieder gegen Angriffe auf ihre Wahrung zur Wehr setzen. Sie machten dies in der Regel, indem sie ihre Währung abwerteten. Darüber beklagten sich die Produzenten, welche im internationalen Handel tätig waren. Der Preis für ihre Waren war durch die immer häufiger auf- und abwertenden Wahrungen immer unsicherer. Und kaum hatten sie einen guten Preis für eine Ware erzielt, wurde dieser durch eine spätere Abwertung der Wahrung wieder vernichtet.
Oder der langen Rede kurzer Sinn:
Jedem vernünftig denkenden Menschen war damals schon klar, dass flexible Wechselkurse eine noch unvernünftigere Art der Eichung des Geldes sind.
Weil also flexible Wechselkurse sich nicht eigneten suchte man nach neuen Möglichkeiten, das Geld zu eichen.
Denn die Unternehmer fühlten sich natürlich durch die Wahrungsinterventionen der einzelnen Nationalbanken tatsachlich bedroht. Viele wussten nicht, dass das Problem der flexiblen Wahrungen nicht ursachlich bei den einzelnen Nationalbanken, sondern bei den alle Markte beherrschenden Privatbanken zu suchen war. So nahmen viele Nationalökonomen (auch schweizerische) und Unternehmer die Ideen von Hayeks 1976 gerne auf und dachten, dass sicher alles besser wurde, wenn man nun mit „nicht korrupten" Privatbanken far ein gerechtes Weltwahrungssystem sorge; eine stabile Weltwahrung, welche nicht mehr laufenden Schwankungen ausgesetzt sei.
Die private schwedische Reichsbank hatte natürlich ein Interesse, den Unternehmern private Banken vorzuschlagen. Sie ist wie die übrigen Privatbanken noch immer mit den habsburgischen KOnigshausern verbunden. Sie konnte durch die Ausgabe eines Nobelpreises immer jene Volkswirtschaftsprofessoren mit Lorbeeren und Anerkennung auszeichnen, welche in ihrem Sinne argumentierten — also far die Privatisierung des Geldwesens.
Norbert Elias beschreibt eindrücklich, wie diese vier Handlungsfelder einem Herrscher (das könnte auch das Volk in einer direkten Demokratie sein) dazu dienten, die Ausprägungen zwischenmenschlicher Tätigkeit und damit das Beziehungsgeflecht zwischen den Menschen zu prägen.
Was hat dies nun mit dem neuen Eichen der Weltwährungen zu tun?
Sehr viel, denn genau hier liegt der Schlüssel für jeden, der die Globalisierung und die Motive dahinter verstehen will.
Die privaten Besitzer über die Notenbanken waren sich spätestens nach der Ermordung der beiden Kennedys im Klaren, dass sie ihre Privatmacht vor dem immer stärker voranschreitenden Demokratisierungsprozess unmöglich auf Dauer halten konnten. Auch war ihnen klar, dass die Eichung des Geldes mit keinem Gut (also weder Gold noch ÖI) auf Dauer haltbar sein würde. Sie erkannten offenbar eine Möglichkeit, wie sie die Weltherrschaft behalten können, ohne auf die Herausgabe von Geld angewiesen zu sein. Es reicht ja, wenn sie die wichtigsten Machtmittel (welche Norbert Elias in seinem 1939 erschienenen Buch beschrieben hatte) kontrollieren. Wenn sie Verkehrswege und Kommunikationswege privat kontrollieren, dann benötigen sie nicht einmal mehr zwingend das Geldsystem. Sie könnten dann sogar die ewigen Forderungen nach dem Abschaffen des privaten Zinses gut heissen. Sie beziehen ihren Zehnten dann aus den ehemaligen Staatsregalen wie Post, Elektrizitätswerken, Telekommunikation, Strassen und Eisenbahnen und sind nicht mehr auf die Herausgabe des Geldes angewiesen. Besitzen sie auch noch die privaten Geschäftsbanken, dann brauchen sie keine Nationalbanken mehr.
Und so wurde dann weltweit für die Privatisierung aller Staatsregale Propaganda gemacht. Heute sind wir nicht mehr im Propagandastadium, Die Massnahmen wurden umgesetzt. Basel II war ein wichtiges Instrument, um die Privatmacht der Banken zu stützen. Gäbe es nämlich nur Staatsbanken (Kantonalbanken), dann gäbe es kein Kreditrisiko und man müsste den KMU nicht um des Kreditrisikos Willen den Kredit verteuern.
Das Buch Mut zum Aufbruch, mit welchem uns unsere Wirtschaftselite 1995 aufgefordert hatte, der EU beizutreten ist sozusagen eine Abschrift der Ideen Friedrich von Hayeks. Mit diesem Buch wurden wir von der privaten Schweizer Finanzaristokratie aufgefordert, den Ideen von Hayeks und der Weltherrscher zu folgen. Obwohl wir das einzige UNO-Mitglied mit direkter Demokratie sind, sollten wir also ebenfalls die Geldmacht wie alle übrigen EU-Mitglieder privatisieren. Man liest im Buch Mut zum Aufbruch zwar nichts von der Privatisierung der schweizerischen Nationalbank oder gar der Abschaffung des Schweizer Frankens, jedoch wurde die Privatisierung aller Staatsregale gefordert - auch die der Kantonalbanken; Forderungen, welche auf dem Werk von Friedrich A. von Hayek basieren. In der letzten Legislatur Ende 2002 haben der Nationalrat und der Ständerat zudem ein neues Nationalbankgesetz beschlossen — ohne jegliche öffentliche Debatte. Mit diesem Gesetz wurde die Nationalbank im Sinne von Hayek beschnitten und den Privatbanken wurden mehr Kompetenzen eingeräumt. Das Aufsichtsgremium der Nationalbank wurde massiv verkleinert. Ganz im Sinne von Hayeks. Viele Nationalräte und Ständeräte hatten keine Ahnung, was sie da eigentlich genau beschliessen. Es ist in etwa wie mit dem im September 2005 beschlossenen Elektrizitätsmarktgesetz. Das Volk hat dieses abgelehnt. Weil es für die privaten Globalisierer jedoch einfach ganz wichtig ist, haben es die Elektrizitätswerke trotzdem bereits umgesetzt und die Politiker haben es jetzt im Nachhinein noch gebilligt.
Für unsere Nachkommen bedeutet dies: Sobald sie zur Welt kommen werden sie privaten Feudalherren einen Zehnten entrichten müssen, um sich in ihrem Lebensraum bewegen zu können. Sie bezahlen Strassengebühren, Eisenbahngebühren, Elektrizitätsgebühren, Wassergebühren usw. statt in demokratische in private Kassen.
Friedrich A. von Hayek wollte noch eine Vielzahl von Lokalwahrungen etablieren. Er war also gegen eine europäische Zentralwahrung (gegen den EURO). In den 80er Jahren setzten sich jedoch Kräfte durch, welche die Welt in eine neue Kontinentalwirtschaft mit drei Wahrungszonen aufteilen wollten; Nord- und Südamerika mit dem Dollar, Europa, den mittleren Osten und Afrika mit dem Euro und Asien mit dem Yen oder dem Yuan. Die drei Börsenplatze Tokio, London und New York sollten dann jeweils im 8-Stunden-Takt, in einer Art drei Zeitzonen à 8 Stunden das Geld urn den Erdball schieben. Elektronisches Geld fliesst ja heute in Lichtgeschwindigkeit auf den Computem urn den Globus und ist nicht mehr an die langsamen Postkutschen gebunden.
Die US-Konzerne nennen deshalb ihre Europa-Niederlassungen EMEA (Europe, Middle-East and Africa - Europa, mittlerer Osten und Afrika). Das hat nichts mehr mit der Kultur der einzelnen Länder zu tun. Es handelt sich dabei einfach um alle Länder, welche innerhalb der gleichen (acht Stunden breiten) Zeitzone liegen. Statt durch demokratische Rechtsstaaten, sollten also die Konzerne (oder wie Mussolini sagte: durch Konzernismus) die Welt zentral lenken. Das Geld, welches heute täglich um den Erdball fliesst, hat zu 97% keinen realwirtschaftlichen Hintergrund mehr. Es ist auf der Jagd nach billiger Arbeit, privatisiertem Volkseigentum, schuldenwilligen Regierungen oder anderen Arten der Spekulation.
Für viele Bürgerinnen und Burger in demokratischen Rechtsstaaten wird das Buch des Nobelpreisträgers Friedrich A. von Hayek unverständlich sein. Wir glauben und wurden nie anders gelehrt, dass das Geldsystem staatlich organisiert sei. Nur wer ganz genau gewagt hat hinzuhören und zu fragen, konnte feststellen, dass auch in der Schweiz eine kleine private Elite Ober das Geldsystem herrscht. So zum Beispiel durch eine Aussage des damaligen Nationalbank-Vizedirektors Leo Schürmann in der ersten Ausgabe der Radiosendung „persönlich" im Jahre 1976. Er vertrat damals in einem Gespräch mit Lilo Pulver die heute noch vorherrschende Meinung, dass die Nationalbank nicht durch die Politiker kontrolliert werden dürfe, well die Demokratie Tendenz habe, die Nationalbank zu eigenen Zwecken zu missbrauchen. Dass Private diese Bank zu eigenen Zwecken missbrauchen könnten, können sich die so argumentierenden Privaten Herrscher über unsere Notenbanken nicht vorstellen.
Für unsere europäischen Politiker ist von Hayeks Buch jedoch offenbar (noch) nichts Schlechtes und nichts Überraschendes. Hayeks Buch liest sich wie die Bedienungsanleitung zur privaten Globalisierung der Welt, welche wir seit ungefähr 15 Jahren erleben. Die ldeen von Hayek werden mit brachialer Gewalt über die Länder Europas gestülpt, ohne den Menschen zu sagen, worum es tatsächlich geht.
Die Theorien von Hayek wurden nämlich im Verlaufe der Jahre verfeinert. Durch Privatisierungen, Going Public und GATT/WTO-Regeln sollte alles Kleinräumige für die privaten Herrscher über das Kapital käuflich gemacht werden.
Ende der Siebzigerjahre war nämlich ein Buch aus dem Jahre 1939 in aller Munde. Es war das Buch des Soziologen Norbert Elias Über den Prozess der Zivilisation, Band II.
Elias hatte herausgearbeitet, wie es in den Jahrhunderten zwischen 1200 und 1800 möglich war, dass ein Kaiser oder König über ein grösseres Reich herrschen konnte. Er stellte folgende vier Handlungsfelder ins Zentrum und ortete in diesen wichtige Machtmittel, welche das Regieren eines Territoriums ermöglichen:
Arbeitsteilung
Verkehrswege, Transportwege und Transportmittel
Kommunikationswege, Kommunikationsmittel und Kommunikationsinhalte Geldsystem (das Recht Geld zu drucken und Kredite zu schöpfen)
Heute date auch die Energieversorgung dazu gehören.
Wie kommt es, dass unsere Elite diesen Ideen der Privatisierung, Entnationalisierung des Geldes und der Staatsregale zustimmen konnte? Was haben sie sich dabei gedacht? Nun, wir werden die Autoren des Buches Mut zum Aufbruch fragen müssen, so lange sie noch leben. Einige sind bereits verstorben. Heute können wir erkennen, was dies für die Demokratie und das Wohlbefinden der Menschen bedeutet. Es wäre spannend zu erfahren, ob die Autoren heute auch noch so handeln würden und wie sie dem Schweizer Volk den Verlust der direkten Demokratie als sinnvoll erklären würden.
Die Autoren waren:
Josef Ackermann, Georges Blum, Ulrich Bremi, Kaspar V. Cassani, David de Pury, Arthur Dunkel, Heinz Hauser, Alex Krauer, Fritz Leutwiler, Helmut 0. Maucher, Alfred Meier, Jakob Nüesch, Beat Schmid, Stephan Schmidheiny, Thomas Schmidheiny, Wolfgang Schürer, Gerhard Schwarz, Robert Studer, Klaus Vallender. Als Herausgeber unterzeichneten David de Pury, Heinz Hauser und Beat Schmid.
Kennen oder kannten diese Herren die oben geschilderten Zusammenhänge oder wurden sie ebenfalls irregeführt ?
Wenn diese Herren an alternativen Konzepten interessiert wären, könnte ich ihnen selbst einige aufzeigen und ich könnte sie auch mit Menschen zusammenbringen, die alternative Ideen seit Jahrzehnten bereitgestellt haben. Warum war es nicht möglich, solchen Ideen Gehör zu geben oder sie mindestens in unseren Medien öffentlich zu diskutieren? Warum kennen die meisten Schweizer diese alternativen Ideen nicht?
Mit vielen Schweizer Mitwissern suche ich seit mehr als fünf Jahren das Gespräch, um Ihnen Alternativen vorzuschlagen. Sie haben und hatten keine Zeit, mich zu empfangen.
Ich hoffe nun, dass Sie mit den hier dargestellten Sachverhalten die heutigen politischen Prozesse etwas besser verstehen. Wenn die Forderung nach der Entnationalisierung des Geldes und damit der Auflösung der europäischen, demokratischen Rechtsstaaten im richtigen Zusammenhang gesehen
wird, dann erkennt man auch, weshalb sich überall so genannte nationalistische Strömungen etablieren. Man kann nicht die Nationalstaaten abschaffen und annehmen, dass sich die Menschen in den einzelnen Nationen nicht dagegen wehren würden. Die Holländer haben die EU-Verfassung abgelehnt, genau gleich wie die Franzosen. Und auch die Deutschen würden sie ablehnen, wenn man sie fragen würde.
Warum also, so meine Frage, lassen wir die Franzosen nicht Franzosen, die Holländer nicht Holländer und die Deutschen nicht Deutsche sein? Warum sollen wir nicht im Frieden nebeneinander leben dürfen?
Dürfen wir unseren Kindern die Machmittel entziehen, mit welchen sie generationenübergreifend den freien Zugang zum Lebensraum unabhängig ihrer Herkunft und Geburt sichern?
Ich würde mich ausserordentlich freuen, mit ihnen über diese Fragen und den dargestellten Sachverhalt einen Dialog führen zu dürfen.
Herzlich, Ivo Muri, Sursee, den 23. September 2005
PS: spannende, zusätzliche Hinweise zum hier dargestellten Thema erfahren Sie auch aus meinem Buch Die Uhr, ISBN-Nr. 3-0350-2802-8