Der Tanz der Bio-Narren
Die verbreiteten Abgründe des heutigen Aberglaubens
Von Lyndon H. LaRouche Jr.
- 1. Teil -
Mit der folgenden Schrift, die wir in den kommenden Wochen abdrucken, reagierte Lyndon LaRouche auf den plötzlichen Ausbruch einer Manie für Biotreibstoffe in den amerikanischen Medien und unter den Politikern.
Während einer Séance lernten sie sich kennen, und heirateten. Sie war der Geist. In seinen Augen waren es ihre niedrigen Unterhaltskosten, die er, all ihrem Gejammer zum Trotz, am attraktivsten fand.
Wie immer man es hin- und herwendet, nur mit betrügerischen Rechenmethoden ließen sich Argumente zur Verteidigung der sogenannten viel beworbenen „Biotreibstoffe“ vorbringen. Alle, die an den Kult der „Bio-Narren“ glauben, dürfen sich nur bei sich selbst für die unvermeidlichen Folgen der Fortsetzung einer solchen Politik beschweren. Das steht bereits als Haupttatsache fest, noch bevor man die kostspieligen Folgen des wiederholten Versuchs in Betracht zieht, diese Politik fortzusetzen: Die auf sicheren Massenmord hinauslaufenden Folgen für die Nahrungsmittelversorgung und damit für die Lebenserwartung der Menschen insgesamt. Ich empfehle hierfür den Gebrauch des Schimpfworts „Bio-Narr“; ich tue das nicht, um grausam zu sein, sondern weil dies die freundlichste Umschreibung der Wahrheit ist.
Die gegenwärtige Marotte der „Bio-Narretei“ ist eine Art von Betrug, der mit ähnlicher Wirkung in dem von manchen so geschätzten Reiz einer Prostituierten steckt, die eine vielleicht tödliche ansteckende Krankheit hat. Das Risiko sollte für jeden, der auch nur ein wenig wissenschaftlich bewandert ist, sofort offensichtlich gewesen sein, wenn er nicht vom Reiz einer verlockenden Gelegenheit kompromittiert worden wäre. Deswegen gibt es unter den Geblendeten des Biokults wahrscheinlich nur relativ wenige erwachsene Menschen, die sich wirklich Gedanken darum machen, ob in dem Konzept der „Biotreibstoffe“ irgendein Sinn steckt oder nicht. Wie bei zwanghaften Glücksspielern steht bei den Motiven, die man zur Unterstützung solcher Entwürfe antrifft, rücksichts- und ziemlich geistloses Wunschdenken des fanatischen Opportunisten ganz im Vordergrund.
Viele der Schuldigen begründen ihre Entscheidung mit einem verschlagenen: „Ich glaube, ich kann durch diesen Schwindel einen Profit (oder eine Stimme in der nächsten Wahl) herausschlagen.“ Für Fanatiker, die genauso degeneriert sind wie die heutigen „Neokons“, bietet sich damit eine weitere Chance, das Niveau der Volksmeinung auf eine Ebene der Speziesmoral herunterzuziehen, die noch unter der des edlen Chlorophylls liegt: faktisch auf die kulturelle Ebene von Holzkohle.
Meine Mitarbeiter stellen derzeit die grundsätzlichen Beweisgründe zusammen, um wichtige Aspekte des Biotreibstoffschwindels bloßzustellen, der auch in den Köpfen bestimmter Leute im Kongreß und einigen Bundesstaatsparlamenten herumspukt.1 An dieser Stelle ist es meine Aufgabe, etwas Tiefgründigeres hinzuzufügen, das qualitativ über das hinausgeht, was meine Kollegen beisteuern. Meine Pflicht hierbei ist, die tiefgehende heidnische Immoralität anzusprechen, die der Biotreibstoffschwindel im korrupten Denken reflektiert, das bei vielen Nachbetern auf der ganzen Welt durch die gegenwärtigen kulturellen Trends induziert wird.
Es sollte angemerkt werden, daß der Schwindel mit den „Biotreibstoffen” vor Gericht auch unter dem Anklagepunkt des „Massenmords“ verhandelt werden könnte. Es ist tatsächlich eine besondere Form von Massenmord, denn die auserwählten Opfer sollen auf genau die gleiche Weise gefügig gemacht werden wie einzelne Mitglieder eines Mobs, die freiwillig bei ihrem eigenen Lynchen oder Guillotinieren mithelfen.
1. Der Betrug namens „Thermodynamik“
Es gibt zwei qualitativ voneinander verschiedene Ebenen des Biotreibstoffbetruges. Oberflächlich ist das Argument, welches zugunsten von „Biotreibstoffen“ angeführt wird, ein simpler Schwindel, der den Zeitgenossen unter uns, die mit offenem Mund einfach alles glauben, verkauft wird. In seiner übleren, scheinbar raffinierteren Form hat der Biotreibstoffschwindel tiefere, bedrohlichere moralische Implikationen für die Existenz der menschlichen Gattung allgemein. Es sind letztere Implikationen, die ich hier anspreche. Das Stichwort für diesen tieferen Betrug ist „Thermodynamik“.
Der Gegenstand, den man heute als „Thermodynamik“ kennt, wurde offiziell seit 1850 von Lord Kelvin, Rudolf Clausius, dem Mathematiker Hermann Grassmann und anderen in Umlauf gesetzt, die sich den Schwindel des „zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik“ ausgedacht haben.2 Ausgangspunkt dieses Schwindels war eine pervertierte Auslegung einer exzellenten Arbeit des der École Polytechnique nahestehenden französischen Wissenschaftlers Sadi N.F. Carnot, seiner „Betrachtungen über die bewegende Kraft des Feuers“ von 1824.3
Sadi N.F. Carnot hatte eine nützliche Vorstellung entwickelt; doch Clausius und Kelvin belegten sie ein Vierteljahrhundert später mit einer ontologisch betrügerischen Interpretation. Dieser Betrug durch Kelvin, Clausius, Grassmann und andere wurde dann als „Thermodynamik“ bekannt.4
Um das Wesen und die heutigen Folgen dieses Betruges zu verstehen, müssen wir auf die spezifischen Eigenheiten und damit zusammenhängende Konflikte in der europäischen Wissenschaftsgeschichte seit ihren Wurzeln in den Werken antiker griechischer Gelehrter wie Thales, Heraklit, der Pythagoräer und Platon zurückblicken.
Der historische Hintergrund
Die krankhafte Erfindung von Clausius und Kelvin hat ihren wichtigsten „genetischen“ Ursprung in den mechanistischen Methoden, die von den antiken griechischen Sophisten wie Euklid in seinen Elementen entwickelt wurden.
Kompetente europäische Wissenschaft war lange vor Euklid im Rahmen der Astrophysik und -navigation durch Vorfahren wie die Erbauer der großen Pyramiden im antiken Ägypten geboren worden. In Griechenland traten die Pythagoräer und die Kreise um Platon die Nachfolge der Ägypter an. Die Methode dieser Wissenschaftler im klassischen Griechenland war damals unter dem Namen Sphärik bekannt. Auf der Sphärik basiert auch die Methode Gottfried Leibniz' in seiner Widerlegung der inkompetenten, mechanistischen Methode René Descartes'.5 Leibniz nannte sie nach dem griechischen dynamis „Dynamik“. Auch Bernhard Riemanns benutzte diese Methode, wie sie in seiner berühmten Habilitationsschrift von 1854 und in seiner späteren Entwicklung des Begriffs physikalischer Hypergeometrien Ausdruck findet.6
In der Sphärik gab es keine axiomatischen oder ähnlichen formalen Annahmen; keine Vorwegnahmen der Art, die den ontologischen Annahmen ähnlich sind, wie sie selbst noch heute in fiktiven Begriffen aprioristischer Definitionen, Axiomen und Postulaten vorkommen, wie man sie von Euklids sophistischer Tradition kennt.
Die Menschen, die in der Antike die heute einzig zulässige Strömung europäischer Wissenschaft begründeten, richteten ihre Augen - wie die großen Navigatoren Ägyptens und deren Vorfahren - auf den Nachthimmel. Für sie war der Nachthimmel wie das Innere einer riesigen Kugel, worauf die Sterne gemalt zu sein schienen, die den Hintergrund für Bewegungen jener Objekte bildeten, welche die Griechen als „Wanderer“, Planeten, betrachteten.7
Um nachzuerleben, was die Begründer der {sphärischen} Methode in Ägypten und anderswo in Erfahrung brachten, wäre es - auch im Sinne Albert Einsteins - ausreichend, einige der bedeutenden Schriften Keplers zur Astronomie, beginnend mit seinem Mysterium Cosmographicum, durchzuarbeiten, wobei manchmal ein Blick selbst durch ein nur bescheidenes Teleskop hilfreich sein könnte.
Kompetente Beobachter wie die antiken griechischen Sphäriker duldeten keine Apriori-Annahmen. Keine Linie war bei ihnen lediglich die Ausdehnung eines Punktes. Keine Fläche durfte als bloße deduktive Ausdehnung einer Linie erzeugt werden. Kein Körper durfte als bloße deduktive Ausdehnung einer Fläche erzeugt werden. Für jede dieser einzelnen Entwicklungen war eine prinzipielle Form effizienter physischer Aktion (Dynamis) nötig. So legten der große Archytas und die anderen Kreise Platons die Grundlagen für die gesamte Entwicklung kompetenter Naturwissenschaften seit jener Zeit.8
Wie auch der große Eratosthenes aufgrund eigener Reflexionen ca. 200 v.Chr. betonte, bedeutet Archytas' Konstruktion der Würfelverdopplung für jeden Studenten ein zentrales Nacherleben der ursprünglichen Entdeckung, das zum Verständnis einer wirklichen physikalischen Geometrie führt, die in völligem Gegensatz zu einer bloß formalen Geometrie von Aprioristen wie dem Sophisten Euklid steht.9
Das Wiedererwachen der Wissenschaft im nachmittelalterlichen Europa, als die kompetente moderne Naturwissenschaft entstand, war bereits in Brunelleschis Werk angelegt und wurde, was die Grundsatzfragen betrifft, formell durch Nikolaus von Kues, angefangen mit seiner De Docta Ignorantia, in Gang gesetzt. Johannes Kepler hat in seiner Begründung einer systemischen, umfassenden physikalischen Wissenschaft ausdrücklich auf Cusanus zurückgegriffen. Das Resultat von Keplers Leistung kommt implizit in Gottfried Leibniz' einzigartiger, originaler Entdeckung des Infinitesimalkalkulus zum Ausdruck, wobei er in dieser speziellen Frage Keplers Absicht explizit folgt. Diese Entwicklungen verdeutlichen das Wiederaufleben der Sphärik, wie sie mit den Kreisen von Archytas und Platon zusammenhängt, und ihre Erweiterung durch die moderne europäische Wissenschaft.
Die Geschichte der modernen Wissenschaft wurde durch Renaissancedenker wie Filippo Brunelleschi, der die Kettenlinie als Konstruktionsprinzip nutzte, und durch den Begründer des allgemeinen Konzeptes moderner Wissenschaft, Kardinal Nikolaus von Kues, eingeleitet.
Schon in Cusanus' 15. Jh. stand der Geburt der modernen Zivilisation ein wiedererstarkendes Überbleibsel mittelalterlicher, neo-feudalistischer Reaktion gegen die Zivilisation entgegen, wie sie am besten durch den Großinquisitor Tomás de Torquemada verkörpert wird. Genauso wie der Muslimenhasser Samuel P. Huntington heute wollte der rasende Antisemit und Muslimenhasser Torquemada in ein finsteres Zeitalter zurückkehren, und seine Umtriebe kennzeichneten den Beginn eines neuen Abschnitts inquisitorischen, neo-feudalistischen und massenmörderischen Terrors von 1492 bis zum Westfälischen Frieden 1648.10
Nach 1648 gab Frankreich unter der Führung von Jean-Baptiste Colbert, einem Schützling Kardinal Mazarins, das Tempo für eine gewaltige Eruption des wissenschaftlichen Fortschrittes an. Doch dadurch, daß sich Ludwig XIV. in die Falle der holländischen Kriege locken ließ, öffneten sich dann ab Februar 1763 die Tore für den neo-venezianischen Aufstieg der anglo-holländischen Ostindiengesellschaft zur weltweiten imperialen Seemacht, die nur vom Aufstieg der USA maßgeblich bedroht wurde. Das anglo-holländische liberale System war eine imperiale Form spezifisch geopolitischer Finanzkraft. Diese Finanzmacht kommt heute in dem Bestreben zum Ausdruck, die USA sich durch die Kriegs-, Wirtschafts- und Finanzpolitik der ultra-dekadenten Bush/Cheney-Regierung selbst zerstören zu lassen.11
Von Kepler bis Riemann
Blickt man von heute auf die Ursprünge der modernen Wissenschaft zurück, dann war es Johannes Kepler, der explizit von Nikolaus von Kues’ Standpunkt die Grundlagen für alle kompetenten Strömungen innerhalb eines universellen Erkenntnisschatzes legte, den man als moderne Naturwissenschaften bezeichnet. Hieraus ergibt sich folgendes:
Diese Verbindungen wurden ausdrücklich von Albert Einstein in seinen späteren Jahren identifiziert, wobei er betonte, daß die Grundlagen kompetenter moderner Wissenschaft im Werk Keplers und dessen Weiterentwicklung durch Bernhard Riemann zu finden sind.
Wie jedoch die Erfahrungen der späten 70er und weiter Teile der 80er Jahre in den Reihen einer führenden Wissenschaftsorganisation, dem Fusions-Energie-Forum, bezeugen, hatte die überwiegende Mehrheit selbst führender Nuklearphysiker und ähnlicher Fachleute die wichtigen Elemente zum Verständnis dieser tieferen historischen Wurzeln moderner europäischer Naturwissenschaft entweder nie besessen oder wieder verloren.
In den meisten dieser Kreise gab es mehr seichten Klatsch als eigentliches Wissen um Keplers ursprüngliche Entdeckungen, Entdeckungen, von denen die gesamte kompetente moderne Physik bis heute abhängt. Allerdings gab es bis vor etwa einem Jahrzehnt im Grunde keine allgemein verfügbare kompetente englische Übersetzung der Werke Keplers, die immer noch die Grundlage aller kompetenten zukünftigen Entwicklungen in der modernen mathematischen Physik ausmachen. Schlimmer noch, das heutige Wissenschaftscurriculum für öffentliche Schulen und Universitäten stammt von den bösartigen Kreisen jener „babylonischen Priesterschaft“, welche hierarchische Kontrolle über die akzeptierten Lehrstandards ausübt, von welcher die Karrieren von Wissenschaftlern und Forschern abhängen. Karrieren beruhen weniger auf Erkenntnissen aus dem Experimentallabor, sondern auf den wie in „Laputa“ offiziell vom Katheder verkündeten Lehren.
Ein roher und von Aberglauben durchsetzter Reduktionismus, eine Art religiöse Leichtgläubigkeit, wie sie sich im Glauben an den Spezialisten für schwarze Magie, Isaac Newton, ausdrückt, hat oftmals sogar genuine Errungenschaften der meisten führenden Wissenschaftler des 20. Jh. verkrüppelt. Noch heute dominiert eine Art „babylonische Priesterschaft“ die Begutachtungs-Institutionen und verkrüppeln die wissenschaftliche Lehre und Ausbildung heute noch schlimmer als zur Zeit der Diskussionen im Fusions-Energie-Forum.12
Wie Arbeitsgruppen der LaRouche-Jugendbewegung (LYM) bei sich selbst erfahren haben, läßt sich wirkliche wissenschaftliche Methode an dem von Johannes Kepler geschilderten Problem verdeutlichen, Planetenbahnen nach Maßgabe eines Ausgleichspunktes zu definieren. Alle Begriffe einer kompetenten modernen physikalischen Wissenschaft sind in den Implikationen der problematischen Annahme eines Ausgleichspunktes enthalten.13 Diese Entdeckung Keplers hat der modernen Wissenschaft einen streng definierten Begriff davon gegeben, was die ontologisch effiziente Wirklichkeit eines universellen physikalischen Prinzips wie der Gravitation ist. Erst als Kepler den Trugschluß des Ausgleichspunktes erkannt hatte, konnte er nach seiner eigenen Darstellung seine Konzeption einer infinitesimalen Reflexion im Kleinen eines universellen Prinzips im sehr Großen entwickeln. Jede kompetente moderne Wissenschaft gründet sich auf einen apriorismenfreien Begriff eines Universums, das durch einen Entwicklungsprozeß unter einer Reihe universeller physikalischer Prinzipien der gleichen experimentell definierten ontologischen Qualität definiert ist, ganz wie Keplers Begriff universeller Gravitation.14
Dadurch ergibt sich ein Bild des Universums, welches, wie Albert Einstein betonte, endlich, aber unbegrenzt ist. Dieses Universum ist von universellen Prinzipien charakterisiert, welche dynamisch unter der Herrschaft eines höheren universellen Prinzips antientropischer physikalischer Aktion versammelt sind.
Man betrachte deshalb Keplers Arbeit so, wie Albert Einstein alle kompetente moderne Wissenschaft definierte: eingefaßt in die Entwicklungen von Kepler bis Riemann.
Keplers Entdeckung des Wirkprinzips, welches die Ausrichtungen von Sonne, Erde und Mars bestimmt, war die eigentliche Geburtsstunde kompetenter moderner physikalischer Wissenschaft und daher auch der Wissenschaft der physischen Ökonomie. Wir behandeln den Bio-Schwindel hier von einem Standpunkt, der bereits in Keplers Entdeckung der physischen Natur universeller physikalischer Prinzipien, d.h. in den paradoxen Implikationen seiner Beschäftigung mit dem Ausgleichspunkt enthalten ist.
2. Universelle physische Prinzipien
Wie amerikanische Zeitgenossen aus der schmerzhaften Erfahrung mit dem Schock jener LTCM-Katastrophe von 1998 gelernt haben sollten, die durch die sog. Black-Scholes-Formel ausgelöst wurde, so hatte schon Albert Einstein die Fanatiker der Solvay-Konferenzen gewarnt: der Schöpfer des Universums würfelt nicht.
Nach den bekannten Erkenntnissen der Menschheit sollte es keinen wirklich denkenden Menschen überraschen, daß das Konzept universeller physikalischer Prinzipien eigentlich aus der Astrophysik stammt: das Resultat der Anwendung scheinbar bloßer Astronomie, die aber die Anwendung praktischer Fragen wie der Navigation auf See u.ä. reflektierte. Die Erde, auf der unsere Gattung bekanntermaßen lebt, liegt unter einem Himmel. Wir befinden uns somit offenbar inmitten eines großen sphärischen Bereiches, unseres Universums. Das ist die Sichtweise, von der aus der Begriff universeller physikalischer Prinzipien von den Ägyptern und anderen Vorfahren der klassischen griechischen Zivilisation wie Thales, Solon, den Pythagoräern und Platon entwickelt wurde.
Der entscheidende Unterschied hier ist ein praktischer. Verändert sich das Universum in Bezug auf seine sichtbaren Prinzipien? Wenn ja, was bestimmt diese Veränderungen?
Die empiristischen Nachbeter des Isaac-Newton-Kultes wie de Moivre, d'Alembert, Leonhard Euler und Joseph Lagrange behaupteten implizit, doch nachdrücklich, daß das Universum wie alle mechanistisch-statistischen Systeme unveränderlich sei: unveränderlich, was die Prinzipien betrifft. Carl F. Gauß widersprach den Empirikern nicht nur, er zerstörte mit seiner Doktorarbeit von 1799 ihre Meinung auf wissenschaftliche Weise. Das Universum ist, entgegen den Empirikern und ihresgleichen, nicht entropisch; es ist im wesentlichen dynamisch und daher antientropisch, und auch antieuklidisch, was seine charakteristische physikalische Geometrie angeht.
Ein universelles Naturprinzip ist ein Gesetz des Universums, welches erkennbare Aktion innerhalb des wahrgenommenen Ereignisuniversums begrenzt, welches aber dennoch weder ein diskretes Sinnesobjekt, noch in mechanistisch-statistischer Form eine kinematische Wechselwirkung zwischen sich bewegenden Teilen ist. So ist, beispielsweise, die antimechanistische, dynamische Natur des Prinzips universeller Gravitation, wie es zuerst von Johannes Kepler entdeckt wurde.
Der Begriff eines dynamischen Gravitationsprinzips kam ausdrücklich durch den Einfluß des Nikolaus von Kues auf Kepler. Zum Beispiel hatte Cusanus in einer seiner niedergeschriebenen Predigten berichtet, daß er einen Fehler in der Diskussion des Archimedes über den Kreis entdeckt hätte (Abbildung 1). Statt als Annäherung einer Reihe regelmäßiger Vielecke an einen Kreis als vermuteter Grenze anzusehen, sollte man hinter einer solchen geordneten Reihe regelmäßiger Vielecke ein universelles Prinzip der geringsten Wirkung sehen; einer Reihe, welche unter geeigneten Umständen in Bezug auf ihren ontologischen Kontrast in Form eines primär kreisförmigen Umfanges ausgedrückt werden kann.15
Für diejenigen unter uns, die, wie Cusanus, Kepler und Leibniz, mit der Arbeit von Platon u.a. in der Anwendung der {Sphärik} vertraut sind - so wie Theaitets Entdeckung der Vervollständigung einer Reihe fünf regulärer Platonischer Körper dieses Wissen repräsentiert - gibt es nichts wahnsinnig Überraschendes in Cusanus' Mitteilung einer erforderlichen Korrektur an Archimedes' Argument über den Kreis. Für Cusanus-Anhänger wie Luca Pacioli, Leonardo da Vinci und Kepler war diese Wiederentdeckung Cusanus' allerdings ausschlaggebend. Vor allem die Beschäftigung mit der Reihe der fünf regelmäßigen Körper, auf die Platons Dialog Timaios verweist, war für die Entdeckungen Keplers kritisch.16
Die gültige Form einer modernen Konzeption universeller physischer Prinzipien kann daher im wesentlichen auf Platon und speziell seinen Timaios zurückgeführt werden. Dieses Konzept ist implizit auch in den Veröffentlichungen Cusanus' enthalten; indes wurde die Idee eines universellen physischen Prinzips für die moderne Zeit von Keplers Entdeckungen in einem Bereich etabliert, der einzigartig die Idee eines Universums ausdrückt: im Felde der Astronomie, oder besser gesagt der Astrophysik.17 Keplers einzigartige, ursprüngliche Entdeckung der Gravitation erst im Fall von Sonne, Erde und Mars und später für die harmonische Komposition des Sonnensystems, wie es ihm bekannt war, ist die Grundlage einer kompetenten physikalischen Wissenschaft - einer universellen Wissenschaft, die sich streng im Bereich manchmal als „einzigartig“ (wie bei Riemann) oder in anderen Sprachgebräuchen als „kritisch“ bezeichneter physikalischer Experimente gründet.
Die Fragen universeller Wirkprinzipien, die sich so für experimentelle Ansätze stellen, liegen jeweils innerhalb der Bereiche des unmeßbar Kleinen bzw. Großen. Wenn es um Fragen universeller physikalischer Prinzipien und ihrer praktischen Implikationen etwa bei der Definition experimenteller Bereiche der physischen Wirtschaft geht, brechen die mechanistischen Ansätze in den typischen Beschränktheiten der Euklidischen oder Cartesischen Geometrie zusammen und stellen diese Ansätze als hoffnungslose Fehlschläge bloß, wenn es um die Praxis geht.
Das noch heute vorherrschende konzeptionelle Versagen in der sachkundigen Sicht der modernsten wissenschaftlichen Methode ist kein Zufall. Das Versagen war beabsichtigt, wie ich es in der Geschichte dieses Problems in früheren Publikationen im einzelnen dargestellt habe. Der Punkt, um den es hier geht, ist für das vorliegende Thema von so kritischer Bedeutung, daß ich nun die entsprechenden Argumente im vorliegenden Kontext der tieferen, thermodynamischen Implikationen des „Biotreibstoff“-Schwindels erneut darlegen muß.
Fortsetzung folgt
Aus der Neuen Solidarität Nr. 10/2007