Der Flop der Versicherungsobligatorien

 

In der heutigen Ausgabe der Weltwoche war betreffend Krankenversicherung zu lesen: „Das Obligatorium muss fallen.“ Dieser Forderung stimme ich ohne wenn und aber zu. Allerdings würde ich weiter gehen: Mit Ausnahme der AHV und der Haftpflichtversicherungen für Motorfahrzeuge müssen alle Obligatorien fallen. Ich behaupte schon lange, dass zu viel Sozialstaat die Menschen zu unsozialem Verhalten verleiten, indem das Parasitentum zunimmt und zwar proportional zur Abnahme der Eigenverantwortung.

 

Von der Krankenkasse profitieren nicht nur die Patienten sondern auch alle, die irgendwie mit der medizinischen Versorgung zu tun haben. Die Ärzte haben ein gesichertes Einkommen und die Chemie kann sich auf den gesicherten Absatz ihrer Produkte verlassen. Zudem entstehen laufend „gesundheitsfördernde Para- und Vorsorgetherapien“ die voll oder zum Teil von den Kassen zu übernehmen sind. Weiter ist der Unfug mit den Generika abzuschaffen, weil es als Folge unzählige gleiche bzw. ähnliche Präparate für die gleichen Krankheiten gibt und somit die billigeren Preise durch die enorme Mengenausweitung überkompensiert werden. Es wäre viel einfacher, wenn die Krankenkassen die Preise der Originalprodukte nach Ablauf des Patentes neu verhandelten. Wenn man bedenkt, wie viele Milliarden Bund und Kantone nur für die Krankenversicherung ausgeben, können Sozialfälle kaum teurer sein. Dies umso eher, als dann die Lasten für Minderbemittelte auf mehrere Stellen verteilt werden könnten. Juristen müssen auch Verteidigungen im sogenannten Armenrecht übernehmen, warum nicht auch Ärzte. - Diese Aspekte hat die Weltwoche wahrscheinlich aus Loyalitätsgründen zur Gesundheitswirtschaft tunlichst verschwiegen.

 

 

Damit komme ich zur ALV und IV. Es besteht der irrige Glaube, dass nur die Versicherungsnehmer Schuld an der diesbezüglichen Finanzmisere sind. Das stimmt überhaupt nicht. Mitschuldig sind die Arbeitgeber genau so. Diese Versicherungen verleiten zu leichtfertigen Anstellungen von Personal, das man bei Nichtmehrgebrauch dank der ALV ruhig entlassen kann. Ältere und langjährige Mitarbeiter schiebt man der IV zu und stellt dafür lieber Leute ein, die billiger, jung und dynamisch (dafür unerfahrener und somit risikofreudiger) sind. Die gute alte Weitsicht wird vernachlässigt, weil man ja für alles Versicherungen hat.

 

Mit der BVG entzieht man der Wirtschaft Milliarden, mit denen Banken und Versicherungen so überflutet werden, dass sie laufend neue Anlagemöglichkeiten erfinden müssen und so die Kasinowirtschaft regelrecht gefördert haben. Was dabei herauskam, ersehen wir nun am wirtschaftlichen Scherbenhaufen. Wäre diese Versicherung nicht obligatorisch, würde sich mancher Betrieb etwas einfallen lassen und z.B. Anteilscheine für den eigenen Betrieb abgeben und so das Geld für neue Investitionen bereithalten statt damit zu spekulieren. Ausserdem wäre das Personal daran interessiert, dass die Betriebe florierten und ein entsprechendes Engagement zeigten. Gerade bei Familienbetrieben wäre so die Weiterexistenz nach dem Generationenwechsel gesichert, weil die Nachkommen nicht mehr alleine ohne Rücksicht auf die Belegschaft handeln könnten. Es gäbe sicher noch viele andere Möglichkeiten.

 

Die schweizerische Bevölkerung muss wieder sozialer werden mit viel weniger Sozialstaat. Das würde zudem das Zuwanderungsproblem von selbst lösen. Wenn man sich engagieren muss und weniger holen kann, kommen automatisch die richtigen Leute, die wir brauchen und ins Land passen.

 

Johanna Haidvogl-Werder, Gelterkinden – 30.05.2009