Der Rechtsstaat

 

Nach heutigen Gepflogenheiten ist unter Rechtsstaat folgendes zu verstehen: Wir haben uns so mit einer Flut von Gesetzen, Verordnungen  und Vorschriften eingedeckt, dass wir den gesunden Menschenverstand gar nicht mehr brauchen. Für jede Lebenslage gibt es ein Gesetz oder ähnliches, so dass wir unser Hirn gar nicht mehr zum logisch Denken benötigen. Wir müssen nur Paragraphen auswendig lernen und herunterbeten können.

 

Was haben wir damit erreicht? Das zwischenmenschliche Gespräch ist zerstört. Wir haben nur noch recht oder unrecht. Kinder können nicht mehr Fehler machen und daraus zu lernen. Ehen werden zerstört, weil die Paare nicht mehr Fehler machen und dazu stehen dürfen. Wer unrecht hat  wird bestraft, geächtet, ausgegrenzt. Selbst Hunde müssen auf ein fehlerloses Verhalten getrimmt werden. Wenn sie sich nicht strikt an die Paragraphen halten, gelten sie als Ungeheuer. Wäre ich ein Vogel, dann würde ich diesen Menschen auf den Kopf scheissen.

Wir sind eine rechthaberische Meute geworden, und das führt in den Untergang unseres Landes, in die Verantwortungslosigkeit unserer Gesellschaft. Wir rächen uns sozusagen, indem wir die Natur mit Unrat verschandeln, indem wir alles irgendwohin wegschmeissen, wenn wir uns gerade unbeobachtet fühlen.

Der Bundesrat will nun via GPS die Raser orten; wie lange dauert es, bis jeder/jede einen Chip verpasst bekommt, damit er/sie jederzeit geortet werden kann, damit allfällige Vergehen umgehend geahndet werden können.

 

Wie wäre es, wenn Juristen statt Prozesse führen und immer neue Paragraphen kreieren, menschliche Streitgespräche lehrten? Das würde sich auf unseren Nachwuchs bestimmt positiv auswirken, denn nur ein menschliches Vorleben,  autorisiert die Erwachsenen, den Kindern Belehrungen zu erteilen. Das wichtigste Gesetz für mich lautet: Zu Fehlern stehen dürfen und daraus lernen können. Das wäre menschlich und natürlich. Wo wir doch so für Bio sind, könnten wir doch mit biologischem Verhalten anfangen nach dem Motto: Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg auch keinem andern zu.

 

Johanna Haidvogl-Werder, Gelterkinden