Das trojanische Pferd, die Saat

Henry Kissinger, der ehemalige Aussenminister von Richard Nixon, hat gesagt: „Beherrsche die Energie und du beherrschst die Nationen, beherrsche die Nahrung und du beherrschst die Menschen.“

Das Wesen der amerikanischen Machtpläne für die Welt basiert heute auf der Entwicklung strategischer Schlüsselpositionen, die von keiner anderen Vereinigung von Ländern herausgefordert werden können; die Planer im Pentagon nennen das «full spectrum dominance». Dies schliesst die globale Militärherrschaft mit ein. Es umfasst die Vorherrschaft über die begrenzten und rapide abnehmenden Erdölvorräte. Es schliesst die Steuerung der Leitwährung der Welt, des Dollars, mit ein. Und heute schliesst es zweifellos die künftige Kontrolle der weltweiten Landwirtschaft durch die Steuerung der Patente für genetisch veränderte Pflanzen und genetisch verändertes Getreide mit ein.

Halten die gegenwärtigen Tendenzen an, wird die globale Vorherrschaft der USA vor Ende des Jahrzehnts auf der Kontrolle der Nahrungsmittelversorgung eines grossen Teils unseres Planeten basieren, weit mehr als dies militärische oder sogar Energieressourcenkontrolle je vermögen. Die geopolitische Dimension dieser Zukunftsaussichten verdient eine sorgfältige Untersuchung.

Die Liste der wichtigsten genmanipulierten Pflanzen umfasst heute Reis, Sojabohnen, Mais, ölhaltige Samen und zahlreiche andere Grundnahrungsmittel. Gentechnisch verändertes Saatgut muss jedes Jahr neu von den Herstellern, z.B von Monsanto , Syngenta etc., gekauft werden und damit auch gleich die dazu passenden Herbizide. Das wird auch kontrolliert. Ist der Boden einmal mit diesen patentierten Pflanzen vermischt, wird ein Bauer praktisch gezwungen, immer bei diesem Saatgut zu bleiben. Finden die Patenthalten Aufwuchs ihres Saatgutes, verlangen sie entsprechende Zahlungen. Geitreidepollen wird über weite Strecken   durch den Wind weiter getragen und kann so ohne weiteres auf einen Acker mit gentechfreiem Getreide gelangen. Wenn der Bauer nicht nachweisen kann, woher die genmanipulierten Pflanzen kommen, muss auch für dieses Saatgut bezahlt werden. Dies ist z.B. kanadischen Bauern widerfahren.

Auf diese Weise wird die Landwirtschaft total von den Grosskonzernen, die sich ihr Saatgut immer teurer bezahlen lassen können. Heute ist es möglich, dass man mit der Gentechnik allen Unfug betreiben kann, bis hin zur biologischen Kriegsführung. Man kann Gene einführen, die Drogen produzieren, Unfruchtbarkeit der Frauen hervorrufen etc. Das ist kein Hirngespinst, sondern biologische Kriegsführung. Solche Ideen werden bereits erforscht. Das dritte Reich lässt grüssen.

Mit einem fünfjährigen Freisetzungsmoratorium gentechnisch manipulierter Pflanzen können wir zwar diese Entwicklung nicht aufhalten, aber wenigstens haben unsere Bauern noch die Freiheit, ihr eigenes Saatgut zu verwenden. Pollen können wie erwähnt vom Wind über hunderte von km zu uns getragen werden, aber immerhin sehr verdünnt und die Herbizide muss auch keine kaufen und einsetzen. In den nächsten 5 Jahren kann viel passieren, und es ist zu hoffen, dass sich Globalisierer der Landwirtschaft in der Zwischenzeit  tüchtig vergaloppieren. Auf jeden Fall bleibt unsere Landwirtschaft unabhängig von den Genveränderern. Wir wissen auch so nicht mehr, was wir alles essen. Durch den Handel der Fertigprodukte rund um den Globus, können wir die BIO-Idee bald einmal vergessen. Ob die Wissenschaftler, die in ihren Labors all die Lebensmittel untersuchen, mit der Zeit noch wissen, welche Gene echt sind und welche nicht, ist auch fraglich.

Wenn man sich den eingangs erwähnten Satz von Kissinger vor Augen führt, kann man sich vieles vorstellen, z.B. eine gewollte Hungersnot, sobald man einmal abhängig von patentiertem Saatgut. In vielen Fällen genügt auch schon eine solche Androhung, um gewisse Leute gefügig zu machen.

Ich hoffe, ich konnte Sie, liebe Leser und Leserinnen, zum Nachdenken anregen.                           

Hanny Haidvogl-Werder, Gelterkinden

September 2006