Wer keine Verantwortung übernimmt wird fremdbestimmt!

 

Wir sind ein lahmes Volk geworden, das für nichts mehr Verantwortung übernehmen will. Immer sind an allem Übel die andern schuld. Wir sind faul und geistig wohlstandsverwahrlost geworden. Der Staat sei ein Abzocker, wird gejammert, aber  dass wir uns von ihm in jeder Hinsicht bedienen lassen wollen, sehen wir nicht mehr. Niemand will ein Risiko eingehen alles muss hundertprozentig sicher sein. Wenn Kinder und Jugendliche schwierig und gewalttätig sind, brauchen wir  Tagesschulen, Kinderbetreuung gleich nach der Geburt. Bezahlen müssen das die Banken, Versicherungen, die Reichen.

 

Niemand will für diese Missstände Verantwortung übernehmen. Der Bundesrat schiebt die Verantwortung für die bissigen Hunde dem Parlament zu, dieses den  Fachleuten, nämlich den Tierärzten. Wo bleiben die Hundehalter? Für die nicht erzogenen Kinder, die ohne Vorbilder sind und von ihren Eltern am liebsten an Drittpersonen abgeschoben werden, sind alle verantwortlich,  nur nicht deren Zeuger. Sind wir so urteilsunfähig geworden, dass wir ohne Datum auf den Lebensmitteln nicht mehr merken, wann etwas verdorben ist? Haben wir schon Zustände wie in Amerika, und müssen auf die Zigarettenpakete schreiben, dass Rauchen ungesund ist? Oder muss der Autohersteller dem Käufer sagen, dass es gefährlich ist, eine brennende Zigarette im Auto auf den Boden zu werfen?

 

Wir haben in diesem Land ein Regierungssystem, das einzigartig auf dieser Welt ist, aber es kann nur funktionieren, wenn wir fähig sind, selber zu denken, selbständig zu handeln und dafür Verantwortung zu übernehmen. Wir brauchen mehr gesunden Menschenverstand.

 

Wenn wir die Eigenständigkeit für unser Land behalten wollen, müssen die einzelnen Bürger und Bürgerinnen sich die Mühe nehmen, über Vorlagen nachzudenken und sie zu hinterfragen. Fachwissen gibt keine Garantie für korrektes Anwenden. Wir sind alle Menschen und irren. Deshalb brauchen die Bürger einen möglichst grossen Spielraum, um von Fall zu Fall in Eigenverantwortung handeln zu können. Man kann nie alle Probleme mit Gesetzen und Verordnungen regeln, sondern muss sich auch auf das Verantwortungsbewusstsein und den gesunden Menschenverstand jedes einzelnen verlassen können. Es stört mich auch im Strassenverkehr, wenn vor lauter Vorschriften Rücksichtnahme und Eigenverantwortung untergehen und somit die Konzentration auf gegebene Verkehrssituationen auf der Strecke bleiben.

 

Was heisst Verantwortung übernehmen? – Selber denken und überlegen, was richtig und was falsch ist, und zwar nicht nur für uns selbst. Wir leben in einer Gemeinschaft bestehend aus Familie, Nachbarn, Dorf oder Quartier, Gemeinde, Kanton, Schweiz, übrige Staaten und deren Völker. Erziehung unserer Kinder heisst vor allem Vorbild sein. Wie wollen wir von unseren Kindern Fleiss, Anstand, Verzicht, Freude bereiten etc. verlangen, wenn wir diese Tugenden selber vernachlässigen? Als Erzieher wird man an den Taten gemessen, nicht am Geschwätz. Diejenigen Massstäbe, die wir von andern verlangen, müssen wir in erster Linie bei uns selbst anlegen und erst dann sind wir berechtigt, an andere Anforderungen zu stellen. Ein Vorgesetzter, der selbst die Aufgaben, die er andern abverlangt, nicht versteht, wird von seinen Leuten nicht ernst genommen und darf sich auch nicht wundern, wenn er hintergangen wird.

 

Wenn die Schweiz als eigenständiges Land mit der direkten Demokratie weiter bestehen will, ist es höchste Zeit, dass die Bevölkerung wieder in jeder Lebenslage vermehrt Verantwortung übernimmt und Hand anlegt, wo immer es möglich ist. Andernfalls dürfen wir uns nicht beklagen, wenn wir immer mehr fremdbestimmt werden. Die Dienstleistungsgesellschaft führt in den Abgrund. Wir müssen die Dinge möglichst selbst in die Hand nehmen und nicht aus jedem Dienst ein Geschäft machen.

Johanna Haidvogl-Werder, Gelterkinden

 

26.4.2007