Kann man das Rad der Zeit zurückdrehen?
Wohl kaum, denn die Pflanzen- und Tierwelt hat sich längst daran gewöhnt, dass es bei uns keine Luchse, Wölfe oder Bären mehr gibt. Da gibt es verschiedene Gründe:
Fleischfresser fressen auch Pflanzen und Pflanzenfresser auch Fleisch. Die Fleischfresser benötigen Vitamine von Pflanzen und Vegetarier tierische Eiweisse. Alle müssen sich versäubern und die Umwelt hat sich entsprechend einzustellen. Tiere sind auch Überträger von Krankheiten.
Würden in unseren Wäldern plötzlich Raubtiere aufhalten, entstünde eine grosse Unruhe unter den übrigen Waldbewohnern. Es könnte passieren, dass sich das Wild so gestört und verunsichert fühlt, dass es Nachwuchsprobleme gäbe. Pflanzen, die das übrige Wild auf dem Speisezettel hatten, gediehen nicht mehr richtig, weil sie durch den Urin der Raubtiere zurückgedrängt würden. Kurz, ein Rattenschwanz von Veränderungen in der Natur wäre die Folge. Möglicherweise kämen andere Insekten auf, die den heutigen Baumbeständen abträglich wären. Ein Oekosystem, das sehr komplex aufeinander abgestimmt ist, darf man nicht willkürlich verändern. Die ganze Natur beruht auf fressen und gefressen werden, also kann man nicht einfach plötzlich neue Mitglieder einführen und glauben, es werde wieder alles wie früher. Zur Natur gehören auch Mikroorganismen nicht nur grosse Tiere. Das Unsichtbare ist ebenso wichtig wie das Sichtbare, wird aber leider allzu oft übersehen und dann kommt das grosse Staunen, wenn die grauen Theorien nicht aufgehen.
Säugetiere benötigen grosse Territorien und müssen ihrerseits wieder als Beutetiere dienen, damit sie nicht überhandnehmen und aus der Vielfalt eine Einfalt verursachen. Es ist deshalb sinnvoll, die Natur in unserem Land so zu erhalten, wie sie ist. Die Schweiz ist während der letzten 100 Jahre um ein Mehrfaches dichter besiedelt worden. Der Mensch hat den grössten Teil des Lebensraumes für sich in Anspruch genommen, so dass es aus diesem Grunde schon unmöglich wäre, wieder grössere Raubtiere anzusiedeln. Man bedenke nur den sich ausweitenden Tourismus. Sowohl Winter- wie Sommersportarten müssen das ganze Jahr möglich sein. Die Natur hat „dank“ des menschlichen überzogenen Aktivismus keine Ruhephasen mehr.
Die Hege und Pflege unserer Wildbestände dürfen wir somit ruhig den Jägern überlassen, die über eine reiche Erfahrung verfügen. Schwarze Schafe gibt es nicht nur unter den Jägern, sondern zuhauf auch unter den Naturschützern, die ihre Aktivitäten nur zu oft zum Selbstzweck missbrauchen. Selber alles wollen und andere mit Vorschriften eindecken, greift nicht mehr. Aber jeder kann sich etwas einschränken und mehr Vernunft und Bescheidenheit walten lassen, dann dienen wir der Natur am meisten. Damit könnten wir auf die meisten Vorschriften verzichten.
Johanna Haidvogl-Werder, Gelterkinden