Erst säen, dann ernten!
Im Kanton Baselland wird abgestimmt, ob die Fachstelle zur Gleichstellung von Frau und Mann abgeschafft werden soll. Ich fragte mich immer, wozu diese gut sein soll. Diese Einrichtung kam nämlich erst, als sie im Grunde nicht mehr nötig war. Früher war es für Frauen wirklich schwierig bis unmöglich, eine Charge in einem Betrieb zu erhalten. Die Männer waren einfach der Meinung, kaum hat man Frauen gefördert, heiraten sie, bekommen Kinder und die ganze Mühe war umsonst.
Heute hat jede Frau die Möglichkeit, beruflich weiterzukommen, wenn sie dies will und sich entsprechend ausbildet und somit die nötigen Voraussetzungen mitbringt. Das ist aber auch bei den Männern so. Es wird jedoch immer schwieriger, Leute zu finden, die über das nötige Rüstzeug verfügen und willens und fähig sind, Verantwortung zu übernehmen. Letzteres scheinen die jungen Leute gar nicht mehr zu lernen.
Es ist modern geworden, sozusagen die Kinder zu werfen und sie dann möglichst rasch den sogenannten Fachleuten zu überlassen: Erziehern in Tagesheimen, Tagesschulen oder den Schullehrern der Volksschule. Jedenfalls fühlen sich viele Eltern nicht mehr für ihre Kinder verantwortlich. Wen wundert es dann, wenn die Wissensvermittlung in der Schule zu kurz kommt, weil den Bengeln zuerst mal Disziplin, Anstand, Ordnung und den Sinn des Lernens beigebracht werden müssen. Man spricht von Frühfranzösisch, Frühenglisch, aber an die Früherziehung denkt kaum jemand mehr. Der Staat beschäftigt massenhaft Psychologen, die offensichtlich das einfachste nicht wissen, nämlich dass und wie man Kinder erzieht. Für dieses Wissen müsste man nicht einmal eine Universität oder ein Seminar besuchen, sondern ganz einfach den Tieren zuschauen, wie sie das machen: Füchse, Wölfe, Wildpferde, Vögel. Jedes Tier weiss von Natur aus, dass die Kinder lernen müssen, sich einst selbständig durchs Leben schlagen zu können bzw. sich in die Gemeinschaft einzuordnen. Nur die Menschen der sogenannten ersten Welt haben das Gefühl, sie seien der Nabel der Welt und alles müsse sich um sie drehen. Es werden jede Menge Rechte formuliert, aber von Pflichten hält man nichts. Die Jugend hat so den Eindruck, dass einfach alles zu haben ist, ohne dafür zuerst einen Einsatz zu leisten. Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft sucht man vergeblich und dies sogar in der eigenen Familie.
Es wäre also eine vornehme Aufgabe der Mütter, die Kinder wieder zu lehren, dass nichts umsonst ist. Zuerst muss gesät, mit Liebe gepflegt und gehegt werden, bevor man ernten kann. Dies gilt nicht nur in der Landwirtschaft, sondern jeder Hinsicht auch im übertragenen Sinne. Es ist eigentlich eine Schande, dass wir Tierschutzgesetze, Naturschutzgesetze, Kinderrecht etc. brauchen. Für eine verantwortungsbewusste Gesellschaft sind das Selbstverständlichkeiten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sind wir zu so einer degenerierten gedankenloser Manipulationsmasse geworden und haben den Kopf nur noch zum Haare schneiden?
Bevor wir andere für irgendetwas zum Sündenbock erklären, sollte jeder und jede sich zuerst fragen, „was könnte ich zur Verbesserung der Lage beitragen“. Dafür eignet sich die Familie am besten. Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland…(Jeremias Gotthelf)
Johanna Haidvogl-Werder, Gelterkinden
19.5.2008