Was ist abgereichertes Uran?
Nachdem ich auf Grund meines Stanpunktes über die Folgen der Bombardierungen mit
den sogenannten Mini-Nukes verschiedentlich angefragt wurde, woher denn das
abgereicherte Uran stamme, möchte ich hiermit einige zusätzliche Erläuterungen zu
diesem Thema abgeben.
Natürliches Uran, das wie andere Erze aus der Erde abgebaut wird, ist ein Gemisch
verschiedener Uranisotope: Es besteht zu 99,28% aus Uran-238, zu 0,72% aus Uran-235,
zu 0,0054% aus Uran-234. Die Kerne der Atome bestehen aus Neutronen und Protonen. In
der Regel sind es gleich viele. Protonen und Neutronen eines Atoms bestimmen die Masse
bzw. das Gewicht. Wenn die Zahl der Neutronen (Teilchen ohne Ladung) grösser ist als die
der Protonen (Teilchen mit positiver Ladung) spricht man von Isotopen. Isotopen sind meist
radioaktiv. So enthält der Wasserstoff und die Kohlenstoffverbindungen, die beide den
Hauptanteil in allen Organismen ausmachen, einen radioaktiven Anteil, der allerdings sehr
gering ist.
Abgereichertes Uran (DU): Seine eminente Bedeutung in der zivilen und militärischen
Nukleartechnik (Kernkraftwerke zur Stromerzeugung, Nuklearwaffen) hat das Uran dadurch
erlangt, dass das Isotop 235U ein sogenanntes Spaltmaterial darstellt, das heisst, Kerne des
Isotops 235U können sich nicht nur spontan spalten, sie können sich auch spalten, wenn sie
von einem Neutron getroffen werden; bei dieser Spaltung werden dann wieder Neutronen
freigesetzt, die weitere 235U–Kerne spalten können und so ermöglichen, dass eine
selbsterhaltende Kettenreaktion in Gang kommt.
Für die meisten Anwendungen in der Nukleartechnik reicht der vergleichsweise geringe
235U-Anteil von 0.711% im Natururan nicht aus. Anreicherung ist angesagt: Dabei werden
die Isotope des Natururans aufgeteilt in ein Gemisch mit mehr 235U und eines mit nur noch
wenig 235U; der Vorgang heisst Isotopentrennung. Der Anteil mit mehr als 0.711 % 235U wird
angereichert, der andere abgereichert genannt. Üblicherweise wird auf einen Restgehalt
von ca. 0,2-0,3% 235U abgereichert. Abgereichertes Uran ist also einfach ein Abfallprodukt
der Herstellung von Brennstäben für Kernkraftwerke und nukleare Schiffsantriebe bzw. der
Herstellung von hoch angereichertem Uran für Atombomben.
Radioaktivität des abgereicherten URANS: Radioaktive Atomkerne zerfallen unter
Aussendung von Strahlung in Atomkerne eines anderen Elements. Ein Mass für die
Aktivität ist das Becquerel (Bq). Eine Aktivität von 1 Bq bedeutet, dass ein Zerfall pro
Sekunde stattfindet. Es werden verschiedene Arten von Kernzerfällen unterschieden. Bei
einem α-Zerfall sendet der Atomkern ein α-Teilchen, bestehend aus zwei Protonen und
zwei Neutronen aus. Bei einem β-Zerfall emittiert der Atomkern ein Elektron, ein
sogenanntes β-Teilchen. Sowohl α- als auch β-Zerfälle können von Gamma-Strahlung,
einer hochenergetischen elektromagnetischen Strahlung begleitet sein. Alle drei hier zur
Diskussion stehenden Uranisotope senden bei ihrem Zerfall α-Teilchen aus. Die α-Aktivität
von Natururan beträgt ca. 25'000 und diejenige von DU ca. 15'000 Bq pro Gramm. Die α-
Aktivität von DU ist also um rund 40% tiefer als diejenige von Natururan.
Die beim α-Zerfall des Urans neu entstehenden Kerne, die Zerfallsprodukte, sind nicht
stabil, sondern zerfallen ihrerseits wieder, meist unter Aussendung von β-Teilchen. Zur
Aktivität von Uran muss somit die Aktivität der Zerfallsprodukte hinzugerechnet werden. Die
β-Strahlung der Zerfallsprodukte von Natururan und von DU ist praktisch gleich intensiv
und beträgt etwa 25'000 Bq pro Gramm.
Die Wirkung von DU auf Natur und Menschen kann sich somit jeder selbst vorstellen.
Bedenkt man, dass Tausende von Tonnen Bomben mit diesem abgereicherten Uran
abgeworfen wurden (im Kosovo, in Afghanistan, 1990 im Irak und 2003 wieder, im Libanon)
dann liegt eine ähnliche Wirkung wie bei Tschernobyl durchaus vor. Die Radioaktivität ging
damals auch um die ganze Erde, das wird mit diesen Kriegen nicht anders sein. Wen
wundert es da, wenn Krebserkrankungen bei uns auch zunehmen und wie lange dauert es
– beim Fortschreiten der Bombardierungen -, bis in Europa die Missgeburten auch
alarmierend zunehmen. Da nimmt sich der CO2 –Ausstoss geradezu harmlos aus. Und wo
sind die Umweltschutz-Organisationen und die Grünen, die gegen diese Schweinerei
protestieren?
Johanna Haidvogl-Werder
Juni 2006